AI Spotlight – Interview (Q&A) | Optimus
AIAG: Stell dich kurz vor – wer bist du und was macht Optimus?
Dominik (Optimus): Ich bin Dominik, einer der Gründer von Optimus. Wir automatisieren die Planung von Gebäuden. Wir unterstützen Projektentwickler, Generalunternehmen und auch Asset-/Facility-Management dabei, ein Gebäude besser zu planen, die passende Gebäudetechnik auszuwählen, Komponenten zu bestimmen und auch Sanierungen besser zu bewerten.
AIAG: Wie startet ein Projekt bei euch – was braucht ihr vom Kunden?
Dominik: Der Kunde stellt uns Gebäudedaten zur Verfügung. Wenn die Daten als 3D-Modell vorliegen, gehen sie direkt durch unser System. Wenn es „klassische“ Daten sind – also PDFs, DWGs oder Fotos – konvertieren wir das.
AIAG: Was passiert nach dem Upload konkret?
Dominik: Der Kunde kann sehr einfach Daten hochladen. Das dauert wenige Minuten, und unser System konvertiert das in ein 3D-Modell oder sogar ein BIM-Modell. Danach wird das Modell von unserem Team qualitätsgeprüft, damit man sicher sein kann, dass es stimmt.
AIAG: Was ist, wenn der Kunde nur sehr wenig Unterlagen hat?
Dominik: Dann kann er trotzdem alles hochladen, was das Gebäude beschreibt. Wenn wirklich wenig vorhanden ist, ergänzen wir das über Annahmen/Archetypen, damit ein verwendbares Modell entsteht.
AIAG: Welche Informationen erkennt oder extrahiert ihr aus den Unterlagen?
Dominik: Wir erkennen Bauphysik, Räume und die Architektur und erzeugen daraus ein BIM-Modell. Zusätzlich ziehen wir aus Berichten Informationen heraus und speichern sie strukturiert – zum Beispiel U-Werte und Qualitätsmerkmale von Fenstern oder Materialinformationen.
AIAG: Wofür wird dieses Modell dann genutzt?
Dominik: Es ist die Basis für automatische Gebäudeplanung. Damit kann man energetische Analysen machen, Energieausweise erstellen und verschiedene Planungen bzw. Variantenstudien aufsetzen. Es ist für uns ein universelles Modell.
AIAG: Wie sieht der typische “Use Case” aus – welche Ziele geben Kunden vor?
Dominik: Ein Kunde sagt zum Beispiel: „Ich habe ein Gebäude und ich will weniger investieren“ oder „Ich will Betriebskosten optimieren“ oder „Ich will ein Nachhaltigkeits-/Zertifikatsziel erreichen“. Daraufhin generieren wir mehrere Varianten und können zeigen, welche Variante optimal oder kostengünstig ist.
AIAG: Wo geht ihr inhaltlich besonders tief – was ist eure “Welt”?
Dominik: Alles, was bauphysikalisch und technisch ist, also Ingenieurwesen und insbesondere Gebäudetechnik – das ist unsere Welt.
AIAG: Kannst du Beispiele nennen, welche Varianten ihr vergleicht?
Dominik: Zum Beispiel Wärmepumpe mit Fußbodenheizung versus Wärmepumpe mit Heizkörpern. Oder hybride Systeme, bei denen die Wärmepumpe die Grundlast übernimmt und Gas die Spitzenlast. Wir betrachten Investitionskosten und Betriebskosten und auch, ob Dinge wie Erdwärme anschließbar sind.
AIAG: Betrachtet ihr auch Wechselwirkungen, etwa Gebäudehülle vs. Anlagentechnik?
Dominik: Ja. Wir prüfen zum Beispiel, wie sich moderne Fenster oder andere Maßnahmen auf die Heizungsanlage und die Heizlast auswirken. Wir gehen da sehr tief rein und können auch zeigen, wie sich das stündlich auf das Gebäude auswirkt.
AIAG: Welche Größenordnung an Einsparung ist aus deiner Sicht möglich?
Dominik: In Projekten kann man dadurch bis zu etwa 10% der Baukosten einsparen – je nach Projekt und Ausgangslage.
AIAG: Seid ihr ein eigenes Tool oder integriert ihr euch in andere Systeme?
Dominik: Aktuell sind wir ein eigenes Tool. Wir haben derzeit keine andere Applikation integriert.
AIAG: Wo wollt ihr funktional als nächstes hin – was ist auf der Roadmap?
Dominik: Es gibt Unternehmen, die den Prozess bis zum Leistungsverzeichnis und zur Ausschreibung denken. Wir planen, dass wir in diese Richtung gehen – also Ergebnisse so weit nutzbar zu machen, dass man sie bis zur Ausschreibung verwenden kann.
AIAG: Du hast “Orchestrierung” erwähnt – was bedeutet das bei euch?
Dominik: Auf Basis des Modells haben wir Systeme trainiert, die Kunden beim Vorgehen unterstützen – also wo man ansetzen sollte und welche Informationen fehlen. Wenn jemand z. B. aus dem Facility-Management eine Pumpe austauschen muss, kann man sie zwar ersetzen – aber die Frage ist: Wie kann man sie besser ersetzen? Unser System fragt dann Zusatzinformationen ab, damit die richtigen Daten ins Modell fließen.
AIAG: Wie stellt ihr sicher, dass Ergebnisse vertrauenswürdig sind – gerade wenn KI im Spiel ist?
Dominik: Am Ende des Tages müssen die Berechnungssysteme auf Methoden beruhen, die in der Industrie bewährt sind. Kunden wollen wissen: Auf welcher Norm oder Berechnungsmethode basiert das? Niemand baut etwas, nur weil „die KI das vorschlägt“. Deshalb ist die Nachvollziehbarkeit über bekannte Berechnungsmethoden entscheidend.
AIAG: Welche Themen treiben eure Kunden aktuell besonders?
Dominik: Viele beschäftigen sich damit, Bestandsgebäude zu renovieren und danach wieder zu verkaufen – das ist ein großes Thema. Außerdem sehen wir, dass manche nicht mehr in klassische Gewerbeimmobilien gehen, sondern in speziellere, komplexere Immobilien, die stärker nachgefragt sind.
AIAG: Wo siehst du aktuell den größten Hebel in Projekten?
Dominik: Ein großer Hebel liegt in der Gebäudetechnik, weil sie stark auf Kosten, Betrieb und Performance wirkt. Architektur und Grundstück sind oft gesetzt, aber die Technik muss definierte Standards erfüllen – und da gibt es viel Optimierungspotenzial.



