Interview der AI Architecture Group mit dem Start-up syte:
Das PropTech-Start-up syte hat sich auf die Frühphase der Projektentwicklung spezialisiert. Die Plattform bündelt Standortanalyse, Potenzialprüfung und Visualisierung in einem digitalen Workflow. Auf der Expo Real 2025 sprachen wir mit Anika Meisters über datengetriebene Entscheidungen, KI im Research-Prozess und den wachsenden Effizienzdruck der Branche.
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Was genau leistet syte – und wo beginnt Ihr Ansatz im Projektablauf?
syte: Unser Fokus liegt auf der ersten Meile eines Projekts – also der Frage, ob ein Grundstück oder eine Idee überhaupt tragfähig ist. Viele Projektentwickler müssen dafür verschiedene Tools und Datenquellen nutzen. Wir führen diese Schritte in einer Plattform zusammen.
Mit syte kann ich innerhalb kürzester Zeit eine Standort- und Potenzialanalyse durchführen: von Bebauungsplänen über Marktdaten bis zu städtebaulichen Parametern. Ziel ist, die Erstprüfung vollständig digital abzubilden, um früh belastbare Entscheidungen zu treffen – bevor teure Ressourcen gebunden werden.
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Sie sprechen von KI-gestützten Recherchen. Wie funktioniert das in der Praxis?
syte: Derzeit findet ein Teil der kontextuellen Research – also das Sammeln von Hintergrundinformationen wie Presseberichten, politischen Beschlüssen oder Stadtentwicklungsplänen – noch außerhalb von syte statt, etwa mit Tools wie ChatGPT. Dafür müssen heute mehrere Systeme genutzt werden.
Wir wollen diese klassische Standortrecherche zukünftig in syte zusammenführen: Welche Vorhaben sind im Stadtteil geplant? Wie ist die öffentliche Wahrnehmung? Welche Risiken gibt es?
Langfristig soll dieser KI-gestützte Rechercheprozess direkt in syte integriert sein, sodass Datensammlung, Analyse und Entscheidungsgrundlagen in einem System stattfinden.
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Wie sieht der Workflow danach aus – vom Ergebnis zur Präsentation?
syte: In syte gibt es bereits ein erstes integriertes Visualisierungstool. Damit können Analyseergebnisse direkt aufbereitet und dargestellt werden – dieser Bereich wird künftig weiter ausgebaut.
Im weiteren Verlauf nutzen unsere Kunden dann zusätzliche KI-Tools wie beispielsweise Gamma, um aus der in syte erzeugten Datenbasis automatisch Präsentationen zu generieren. Das ist also ein nachgelagerter Schritt: syte liefert die Daten und Visualisierungen, Gamma automatisiert daraus die fertige Präsentation.
So entsteht aus wenigen Eingaben eine vollständige Darstellung – früher dauerte dieser Prozess Tage, heute oft nur noch einen Vormittag.
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Sie verbinden Software mit architektonischer Expertise – wie funktioniert das?
syte: Unser Gründer Matthias Zühlke ist selbst Architekt und Partner bei Maas und Partner. Aus seinem Alltag heraus entstand die Idee: „Ich will alles in einer Plattform haben.“
Darum bieten wir zusätzlich zur Software auch eine händische Expertenanalyse an. Wenn ein Kunde ein Potenzial gefunden hat, kann er optional eine Machbarkeitsstudie beauftragen – erstellt von unseren Architekten innerhalb eines Werktags. Damit lässt sich die datenbasierte Analyse fachlich validieren, bevor man weiter investiert.
Das ist besonders attraktiv für große Entwickler mit begrenzten Inhouse-Ressourcen und für kleinere Unternehmen ohne eigene Architekturabteilung. Sie sparen Zeit, binden kein Personal – und können innerhalb von Tagen entscheiden, ob sich ein Projekt lohnt.
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Was treibt die Nachfrage nach solchen Lösungen aktuell am stärksten?
syte: Der Markt ist angespannt: weniger Transaktionen, weniger Personal, höhere Anforderungen. Die zentrale Frage lautet: Wo lohnt sich der Einsatz wirklich?
In der frühen Phase entscheidet sich, ob sich Aufwand und Risiko tragen. Hier entsteht durch KI und Machine Learning der größte Effizienzgewinn. Wir helfen, schneller die richtigen Projekte zu finden – und die falschen früh auszusortieren.
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Wie geht es mit syte weiter?
syte: Wir bereiten derzeit unsere Series-A-Finanzierungsrunde vor. Dabei geht es auch um die Internationalisierung. Unser Ziel ist, syte als zentrale Plattform für die frühe Projektentwicklung zu etablieren – eine Kombination aus KI-gestützter Analyse und architektonischer Kompetenz.
Oder anders gesagt: Entwickler sollen ihre Ressourcen dort einsetzen, wo sie wirklich Wirkung entfalten – nicht in der Recherche, sondern in der Realisierung.



